Wo der Wein den Ton angibt

Wo der Wein den Ton angibt: Riede Schusterberg in der Südsteiermark in der Morgensonne

Wolfgang Maitz, Ratsch an der Weinstraße

Wer bei Wolfgang Maitz übernachtet, sollte sich nicht darüber wundern, dass der Wein hier das letzte Wort hat. Er war schließlich zuerst da. Lange bevor Gäste in den Zimmern schliefen und im Wirtshaus zu Abend aßen, standen auf den steilen Hügeln von Ratsch schon die Reben. Noch heute bezeichnet sich Wolfgang Maitz junior auf der eigenen Website nicht als Hotelier, sondern schlicht als „Weinbauer“. Das rückt die Verhältnisse zurecht.

Begonnen hat die Geschichte 1957. Josef und Maria Maitz kauften damals das Weingut Rebenburg samt fünf Hektar Rebfläche. Sie pflanzten neue Weingärten und eröffneten eine Buschenschank, um ihre Weine direkt zu verkaufen. 1975 übernahm Sohn Wolfgang den Betrieb, vergrößerte die Rebflächen, investierte in den Keller und machte aus der Buschenschank zusätzlich ein Gästehaus. Heute führt Wolfgang Maitz junior mit seiner Partnerin Carina Kaiser die dritte Generation weiter. Aus fünf Hektar Startkapital wurde kein Hotel, dem irgendwann noch ein paar Weinstöcke eingefallen sind. Es geschah genau andersherum.

Das merkt man schon an den Namen. Ried Krois, Ried Sulz, Ried Schusterberg und Ried Hochstermetzberg stehen für jene Lagen, aus denen Maitz seine Weine keltert. Sauvignon Blanc und Morillon spielen dabei eine Hauptrolle. Im Keller geht es darum, Herkunft nicht glattzubügeln: Boden, Klima und Lage sollen im Glas erkennbar bleiben. Der Satz, mit dem Maitz seine Arbeit überschreibt, ist entsprechend knapp: „Herkunft ist bodenständig.“

Ein paar Meter weiter übernimmt das Wirtshaus. Dort kocht Patrick Stessl Gerichte aus der Region, gelegentlich mit mediterranem Akzent. Zu ihnen stehen Gebiets-, Orts- und Riedenweine aus dem eigenen Keller auf der Karte; daneben Weine befreundeter europäischer Winzer. Beim Frühstück greift das Haus dagegen ausdrücklich auf viele Produkte von Erzeugern aus der Südsteiermark zurück. Das ist ein wichtiger Unterschied zu unseren Bauernhöfen: Maitz produziert nicht das Frühstücksei und zieht nicht das Rind fürs Abendessen auf. Seine Landwirtschaft wächst am Rebstock.

Auch das Weinhotel versucht gar nicht erst, diese Herkunft zu übertönen. Draußen staffeln sich die Rebzeilen über jene Hügel, die der Südsteirischen Weinstraße ihre unverwechselbare Topografie geben. Wer noch näher hineinwill, kann im Ferienhaus Schusterberg mitten in den eigenen Weingärten wohnen. Drei Balkone und ein großes Panoramafenster sorgen dort dafür, dass man auch drinnen kaum vergisst, wo man gelandet ist.

Vielleicht ist das überhaupt die angenehmste Art eines Weinhotels: Der Wein dient nicht als Dekoration. Keine Fassdaube muss zum Nachttisch umfunktioniert werden, damit der Gast das Thema versteht. Draußen stehen die Reben, im Keller liegt der Jahrgang, im Wirtshaus wird die Flasche geöffnet – und oben wartet das Bett.

Bei Maitz führt der Weg eben nicht vom Feld ins Zimmer. Er führt von der Riede ins Glas. Und zum Glück ist das Zimmer nicht weit.

Mehr Information:

https://maitz.co.at/

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Diese Reportage erschien in Ausgabe 13 des 1st Class Traveller. Das komplette Heft mit allen Reisen, Hotels und Geschichten erhalten Sie hier.

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