Manchmal liegt zwischen einem Hotelzimmer und dem Abendessen nur ein Stück Wiese. Im Pausnhof im Bayerischen Wald ist das ziemlich wörtlich gemeint. Rinder, Schafe und Geflügel stammen aus der eigenen Bio-Landwirtschaft, Gemüse wächst auf dem eigenen Feld, Kräuter im Garten. Was dort geerntet oder aufgezogen wird, landet später in der Küche von Johann und Johanna Simmet. Regionalität ist hier kein Versprechen auf der Speisekarte. Sie gehört zum Betrieb.
Der Pausnhof liegt in St. Oswald, mitten im Nationalpark Bayerischer Wald und nicht weit von der tschechischen Grenze. Seit rund 600 Jahren bewirtschaftet die Familie Simmet den Hof. 2001 stellten Sabine und Johann Simmet ihn auf biologische Wirtschaftsweise um und gründeten nach eigenen Angaben das erste Biohotel Deutschlands. Heute führen sie den Pausnhof gemeinsam mit ihren Töchtern Katharina und Johanna. Die Landwirtschaft blieb dabei nicht als folkloristische Erinnerung hinter dem Hotel zurück. Sie liefert einen Teil dessen, was die Gäste essen.
Besonders deutlich wird das bei den Tieren. Sie verbringen die Saison auf rund 20 Hektar Freiland-Weide und kommen erst zurück, wenn im Herbst das Gras knapp wird. In der Küche verarbeitet die Familie Rind, Lamm und Geflügel aus eigener Haltung. Gemüse kommt vom eigenen Feld; Wild, Pilze und Beeren liefert der Bayerische Wald. Am Abend serviert der Pausnhof daraus ein Vier-Gänge-Menü. Die Speisekarte richtet sich damit zwangsläufig nach dem, was Hof, Wald und Jahreszeit hergeben.
Das klingt nach Bauernhofurlaub. Sieht aber nicht danach aus. Der Pausnhof übersetzt die bäuerliche Herkunft in eine reduzierte, zeitgenössische Architektur. In den Zimmern stehen handgefertigte Möbel aus heimischer Eiche und Tanne; Böden, Stoffe, Glas und viele Details stammen von Handwerksbetrieben aus der Region. Franz Hafner, Innenarchitekt, Schreiner und Künstler aus dem Bayerischen Wald, prägte die Gestaltung des Hauses. Statt alpiner Dekoration bestimmen Holz, Stein, Glas und klare Linien die Räume.
Auch beim Baden hält sich der Pausnhof nicht mit bäuerlicher Askese auf. Zum Ensemble gehören ein Badehaus mit Saunen und Dampfbad, ein Naturbadeteich sowie ein ganzjährig beheiztes Salzwasserbecken im steinernen Hof. Die Naturholzmöbel in den Zimmern stehen damit nicht für Verzicht, sondern für eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was Luxus sein kann: gutes Material, Ruhe, Platz – und die Gewissheit, woher ein Teil des Abendessens kommt.
Das Interessante am Pausnhof ist deshalb weniger, dass er „bio“ ist. Das Wort findet sich inzwischen auf genügend Hoteltüren. Interessanter ist, wie eng hier Landwirtschaft, Küche und Hotel miteinander verbunden bleiben. Die Familie hat aus einem Bauernhof ein Vier-Sterne-Hotel gemacht, ohne den Bauernhof anschließend aus dem Bild zu räumen.
Vielleicht beginnt der Luxus dieses Hauses deshalb nicht im 36 Grad warmen Salzwasserpool. Sondern draußen auf der Weide. Dort, wo das Abendessen noch Gras frisst.
Mehr Information:
https://pausnhof.de/

Diese Reportage erschien in Ausgabe 13 des 1st Class Traveller. Das komplette Heft mit allen Reisen, Hotels und Geschichten erhalten Sie hier.
