Wo der Sommer länger bleibt

Wo der Sommer länger bleibt

Irgendwann im September geschieht im Süden etwas Merkwürdiges: Der Sommer ist noch da, aber er benimmt sich besser. Das Meer bleibt warm, die Abende gehören weiterhin nach draußen, nur die große Hitze verliert ihre Macht über den Tagesablauf. Plötzlich muss niemand mehr um sieben Uhr früh aufbrechen, um einer Wanderung zuvorzukommen. Und ein Mittagessen auf der Terrasse ist wieder Vergnügen statt Ausdauersport.

Vielleicht beginnt jetzt die angenehmste Reisezeit des Mittelmeers. Wenn zu Hause die ersten Jacken aus den Schränken kommen, gewinnt der Süden jene Leichtigkeit zurück, die ihm im Hochsommer manchmal abhandenkommt. Die Strände leeren sich, Straßen werden ruhiger, und hinter den Küsten wartet eine Landschaft, für die im Juli oft weder Zeit noch Temperatur passen.

Drei Regionen zeigen besonders schön, was Reisen nach dem Hochsommer bedeuten kann. Istrien wechselt auf wenigen Kilometern zwischen Adria, Weinbergen, Olivenhainen und alten Dörfern. Im portugiesischen Alentejo führen fast leere Straßen durch Korkeichen und über weite Ebenen, auf denen Langsamkeit keine touristische Erfindung ist. Und Kreta erinnert daran, dass eine Insel mit mehr als tausend Kilometern Küste ausgerechnet dort interessant wird, wo das Meer aus dem Rückspiegel verschwindet.

Alle drei erzählen dieselbe Geschichte auf ihre Weise: Man muss dem Sommer nicht hinterherfliegen. Man kann ihn auch dort treffen, wo er gerade leiser wird. Wo man wieder zu Fuß gehen möchte, beim Essen sitzen bleibt und nicht jeden Tag mit Sehenswürdigkeiten füllen muss.

Der Sommer ist noch nicht vorbei. Er hat nur aufgehört, Regie zu führen.


Istrien: Zwischen Reben und Meer

Alentejo: Die Ruhe nach der Hitze

Kreta im Spätsommer: Die Insel hinter dem Strand

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