Frühherbstliche Rheinträume

Frühherbstliche Rheinträume

Mit Sonne, Wein und Geschichte von Basel bis Koblenz unterwegs auf dem Rhein 

Wenn der Herbst langsam Einzug hält und die Tage noch warm, aber die Abende schon kühler werden, zeigt sich der Rhein von einer ganz besonderen Seite. Goldenes Sonnenlicht glitzert auf den Wellen, in den Weinbergen hängen pralle Trauben, und die Luft trägt den Duft von Weinfesten. Die MS Edelweiss gleitet stilvoll wie ein First Class Hotel über Deutschlands längstem Fluss. Von den Alpen bis zur Nordsee ist der Rhein die wichtigste Kultur- und Handelsachse Mitteleuropas und wird stärker und vielfältiger genutzt als alle anderen europäischen Flüsse. Eine Rheinreise per Schiff im Frühherbst ist farbenfroh und voller Leichtigkeit, eine Reise voller Geschichten und Genüsse.

In Basel mischt sich urbane Moderne mit mittelalterlichem Charme. Die Stadt am Dreiländereck Schweiz, Frankreich und Deutschland trägt das Flair einer weltoffenen Metropole und zugleich den Zauber ihrer Altstadt. Bevor nach dem Start der Flusskreuzfahrt die Silhouette von Basel verschwindet, durchfährt das Schiff die erste von zehn Schleusen in Kembs beim Kilometerstein 179,2 – ein sanftes Heben und Senken.

02 IMG 0898 AA

Straßburg: Eine Grande Dame am Rhein

Wenn sich die Gangway der MS Edelweiss beim ersten Stopp in Straßburg öffnet, empfängt die Hauptstadt des Elsass ihre Gäste wie eine Grande Dame: charmant, weltgewandt und traditionsbewusst zugleich. Man spürt das pulsierende Flair dieser Stadt, in der Europa zu Hause ist. Die Wege sind kurz, die Eindrücke groß. Wer vom Schiffs-Anlegesteg mit dem Bus Richtung Stadtzentrum fährt, landet nach kurzem Spaziergang bald am majestätischen Straßburger Münster – einem Meisterwerk der Gotik, das mit seinem filigranen Turm aus rosafarbenem Vogesensandstein den Himmel zu berühren scheint. Nur einen Katzensprung weiter beginnt das Viertel La Petite France, eine verwunschene Idylle aus alten Gerberhäusern, plätschernden Kanälen und blumengeschmückten Brücken. Straßburg ist eine Stadt für Genießer – kulinarisch wie kulturell. Wer mag, kann das Europäische Parlament bestaunen oder an einer Bootsfahrt durch die historische Altstadt teilnehmen – das Wasser ist hier nicht nur Spiegel, sondern auch Bühne für ein barockes Schauspiel aus Vergangenheit und Gegenwart.

Speyer: Kaiser, Dom und Mandelgebäck

In Speyer werden die Kreuzfahrtgäste von Peter Bilhöfer begrüßt, der im Gewand des Amtmannes vom Bischof von Speyer in der Spätgotik des 15. Jahrhunderts die Stadtgeschichte lebendig werden lässt. Vor dem mächtigen sechstürmigen Dom erzählt er von Kaisern und Bürgern. Dabei hebt er den weitsichtigen Kaiser Konrad II. besonders hervor, der 1027 als erster Salier den Thron bestieg. Im Jahre 1030 gründete er den Dom – heute die größte noch erhaltene romanische Kirche der Welt – um seinen Herrschaftsanspruch über Reich und Kirche zu demonstrieren. Nach der Stadtbesichtigung duftet es später in den Cafés nach frisch geröstetem Kaffee und süßem Mandelgebäck. Wer es deftiger mag, findet regionale Klassiker wie Saumagen oder Zwiebelkuchen – Gerichte, die besonders gut in die Jahreszeit und zur Weinlese passen.

04 DSC2763 AA

Die MS Edelweiss: Das Hotel fährt mit

Zwischen diesen Ausflügen wird die MS Edelweiss selbst zum vertrauten Refugium, gesteuert vom niederländischen Kapitän Jan Oosten und seinem Brückenteam. Panoramafenster als französischer Balkon lassen den Fluss wie ein bewegtes Kunstwerk erscheinen. Im Restaurant verwöhnt die aufmerksame Crew mit mehrgängigen Menüs – von zartem Zanderfilet bis zu karamellisierten Äpfeln, die den jahreszeitlichen Geschmack auf der Zunge verlängern. Auf dem Sonnendeck genießt man mit einem Drink die langsam vorbeiziehende Landschaft. Abends, wenn das Bordpersonal eine kleine Weinverkostung anbietet, wird der Fluss selbst zum besten Sommelier.

Diese Reportage erschien in Ausgabe 13 des 1st Class Traveller. Das komplette Heft mit allen Reisen, Hotels und Geschichten erhalten Sie hier.

Worms: Das Gedächtnis am Rhein

Die am linken Rheinufer gelegene Stadt Worms entfaltet bei einer Stadtführung ihr stilles, aber tief bewegendes Kapitel jüdischer Geschichte. Zwischen den ehrwürdigen Mauern der Judengasse mit der Synagoge erklärt Stadtführerin Ursula Hoffmann sehr engagiert die pulsierende Vergangenheit eines Viertels, das einst Herzstück jüdischen Lebens war. Der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas, der „Heilige Sand“, gleicht einem steinernen Geschichtsbuch – jede verwitterte Grabplatte ist eine Seite, die von Glauben, Hoffnung und Schicksal erzählt. Gemeinsam mit den Monumenten der drei SchUM-Gemeinden Speyer, Worms und Mainz waren sie im Mittelalter das wichtigste Zentrum jüdischen Lebens in Europa nördlich der Alpen und gelten deshalb heute als Unesco-Welterbe. So verweben sich Tradition und Erinnerung zu einem unsichtbaren Band, das die kulturelle Identität Europas bis heute durchdringt – wie ein Echo, das über Jahrhunderte hinweg noch immer nachhallt. 

DSC2644 2

Burgen, Weinberge und die Loreley

Hinter Mainz faszinieren der Rheingau und Rheinhessen mit einer einmaligen Landschaft und vielen Burgen. Bald grüßt linksrheinisch oberhalb der Weinlagen des Rüdesheimer Berges weithin sichtbar die Germania-Skulptur in der Pose des Triumphes vom mächtigen Niederwalddenkmal, das an die Einigung Deutschlands 1871 erinnert. Hinter Bingen mit dem Mäuseturm taucht wie ein stolzes steinernes Schiff inmitten der Rheinfluten die Zollburg Pfalzgrafenstein auf, während kurze Zeit später im Welterbe Oberes Mittelrheintal bei St. Goarshausen die 132 Meter steile Schieferfelswand, der Loreleyfelsen, ins Blickfeld kommt. Nur ein paar Meter weiter sitzt die unglückliche Loreley, die blondgelockte Sirene, auf einem kleinen Felsen. Der Sage nach soll sie ihr goldenes Haar gekämmt und eine liebliche Melodie gesungen haben, was viele vorbeifahrende Schiffer ablenkte und die einst gefährlichen Riffe, Felsen und Untiefen so zu ihrem Grab wurden. Einige besonders gefährliche Felsen wurden in den 1930er-Jahren gesprengt, wobei bis in die 1980er-Jahre Lotsen auf dieser herausfordernden Strecke tätig waren. Heute wird die Schifffahrt mit Lichtsignalen geregelt.

Koblenz und die Marksburg: Finale aus Stein

Nur wenig später legt die MS Edelweiss in Koblenz – dem Ende der Flusskreuzfahrt – an, wo Rhein und Mosel am Deutschen Eck zusammenfließen. Hier an dieser Landzunge befindet sich auf einem mächtigen Steinsockel das monumentale Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I. Der sitzt auf seinem Pferd und lässt sich von einem Engel die Krone vorantragen. Hier ist das nächste Ausflugsziel die Marksburg bei Braubach. Sie erhebt sich rechtsrheinisch wie ein steinerner Traum über dem Rhein, eine Krone auf dem Haupt des Mittelrheintals. 1231 wurde sie zum Schutz nahegelegener Silberminen von den Herren von Eppstein errichtet. Wer sie erblickt, spürt sofort: Hier verschmelzen Geschichte und Landschaft zu einem Gemälde. Die Auffahrt ist wie eine Annäherung an ein Märchen in Mauern und Türmen.

7D7442B7 CB03 48EC A98C A256121E4466

Durch das schwere Burgtor schreitend, über buckelige Steine, beginnt der Dialog mit der Vergangenheit, engagiert übermittelt von Robert Agnello. Die Mauern der romanischen Burganlage, mit der für die Stauferzeit charakteristischen Dreiecksform des Grundrisses, scheinen zu atmen. Sie flüstern Geschichten von Ritter und Burgfräulein, von Verteidigung und Andacht. Jede Ecke ist ein Kapitel, jeder Gang eine Zeile im großen Epos der Jahrhunderte. Im Inneren öffnet sich eine Welt aus Stein und Symbolen: In der Waffenkammer glänzendes Metall, in dem sich einst Ruhm und Gefahr spiegelten. Der Rittersaal, erfüllt von unsichtbaren Stimmen, lässt im Geiste das Klingen von Bechern ertönen. Das Plumpsklo mit der Öffnung nach draußen in den Hof – dem heutigen Kräutergarten – durfte nicht fehlen. Und die kleine Burgkapelle, schlicht und ehrwürdig, wirkt wie ein Herzschlag der Ewigkeit – leise, aber unvergänglich.

Der Blick von der Aussichtsterrasse ist gigantisch. Hier entfaltet sich das Rheintal in all seiner Poesie: Schiffe ziehen gemächlich über den breiten Strom, Weinberge steigen wie grüne Zeilen eines Gedichts die Hänge empor, und Dörfer schmiegen sich an die Ufer, als suchten sie Geborgenheit beim Fluss. Von hier aus erkennt man, dass die Festung auf ihrem steilen Schieferfelsen besonders resistent vor Angriffen war und als einzige Höhenburg am Mittelrhein nie zerstört wurde.

Lässt man diese Flusskreuzfahrt Revue passieren, so ist sie mehr als nur eine Fahrt auf dem Rhein. Sie ist eine poetische Begegnung mit dem Frühherbst – ein Reigen aus Wein und Wasser, Sonne und sanftem Abschied. Es endet eine Reise voller Geschichten und Genüsse.

Weitere Informationen:

Die MS Edelweiss ist ein Flusskreuzfahrtschiff der Thurgau Travel, Solmsstrasse 26, 10961 Berlin, Tel. 030346456950, www.thurgautravel.de

 Der Redakteur recherchierte auf eigene Kosten und wurde teilweise unterstützt von Thurgau Travel

1st Class Travellers ist eine Webpräsenz der Tipps Media & Verlag UG


Logo Tipps Media & Verlag

www.tipps-media.eu


Weitere Seiten von Tipps Media & Verlag:

www.tipps-for-trips.de

my-hotel-selection.de/