Am Rande des Kontinents - Teil 1

Am Rande des Kontinents - Teil 1 - MS Diana
SH Diana Bild: Gennadiy Skorokhod;

Teil 1: Von Kapstadt bis Angola
Teil 2: Von Angola bis Ghana
Teil 3: folgt mit Heft 14


Von Südafrikas Kapstadt entlang der Wüsten Namibias bis zu den Geheimnissen Angolas – mit der SH Diana auf Expeditionsfahrt entlang Südwestafrikas wilder Küsten. Pinguine und Weinberge, Dünen und Geisterstädte, Flamingos und Seehunde, portugiesische Fassaden und atlantische Brandung – jeder Tag dieser 12-tägigen Cruise bietet neue Entdeckungen und Kontraste. Bevor man in See sticht, lohnt es sich aber ganz sicher, mehrtägig in Afrikas Mutterstadt einzutauchen. Zeit, um die Kultur, Küche und Küste einer der wohl schönstgelegenen Städte der Welt kennenzulernen und den Rhythmus am Kap aufzusaugen. In Kapstadt versprüht der Kontinent all seine Energie und Reize – ein spannendes Konglomerat aus Afrika, Asien und Europa.

Die fast perfekte Stadt

„Auf den ersten Blick hat die europäische Stadt unter dem Tafelberg kaum etwas mit Afrika gemeinsam“, erzählt Sarah, die aus England stammende Afrikaspezialistin im Expeditionsteam von Swan Hellenic. „Wer allerdings länger bleibt, versteht den Slogan one city, many cultures bald.“ Unterschiedliche Hautfarben, Kulturen und Nationen prägen die Stadt genauso wie die Gegensätze zwischen Reich und Arm. „Die Apartheid ist weder vergessen noch vollständig aufgearbeitet, doch die Veränderungen der letzten Jahrzehnte sind spürbar“, weiß Sarah.

Citywalk

Der alte Hafen, wo sich früher Katzen um Abfälle und „lockere Damen“ um Seemänner rauften, wurde aufwendig restauriert. Heute zählt die pittoreske Victoria & Alfred Waterfront mit schicken Restaurants, Shoppingmalls und Kinos zu den Topadressen der Stadt. Genauso spannend ist die Wandlung des bunten Malaienviertels Bo-Kaap zur schicken Wohnadresse. Und das mondäne Constantia spiegelt mit Kaparchitektur die Siedlungsgeschichte wider. Auch sonst geizt die „Mother City“ nicht mit historischen Gebäuden: kapholländischen genauso wie viktorianischen, georgianischen oder Art-déco-Gebäuden. Zudem sorgen trendige Restaurants, schicke Boutiquehotels, fliegende Händler, Township Art, Marimba Bands und urige Clublokale wie das berühmte „Mama Africa“ für einen aufregenden Stilmix. Kapstadts Multikultigesellschaft sorgt auch immer wieder für überraschende Inspirationen in der Musik oder in der Gastronomie. Die Stadt gilt mittlerweile als Schlaraffenland für Gourmets. Die Küche ist international, kreativ und afrikanisch, das Zauberwort heißt Fusion. Eine interessante Stadt jedenfalls, es fehlt nur noch, die große soziale Schere etwas in den Griff zu bekommen.

Wine and Dine

„Wo Wein gedeiht, da bleib“, soll ein alter Spruch der holländischen und französischen Kapkolonialisten gelautet haben. Sie haben eine gute Wahl getroffen. Mediterranes Klima, guter Boden und europäischer Fleiß haben frühzeitig Weinkulturen entstehen lassen. „Besonders nach dem Ende der Apartheid hat internationaler Einfluss die Weinkultur weiterentwickelt. Südafrikas Weine boomen – und haben Weltruf“, weiß Rob Newborn zu berichten. Stolz berichtet der findige Unternehmer von seinem ehrgeizigen Projekt, inmitten der Weingüter eine Erlebnislandschaft samt See und Safarigehege als Rahmen für Weinverkostungen und feines Essen anzulegen. Wir sind auf einem Tagestrip in der Weinregion und dürfen uns bei einer Verkostung von der Qualität überzeugen. Stellenbosch gilt als kapkoloniales Juwel. Galerien, Restaurants und Studentencafés strahlen Ruhe und Gemütlichkeit aus, hier erinnert nichts an Apartheid und Isolation. Doch schon einige Kilometer weiter regierte selbst im liberal denkenden Kapstadt jahrzehntelang der Rassenwahn. Die Strafkolonie Robben Island mit dem prominenten Dauergefangenen Nelson Mandela gehört leider genauso in das Gesamtbild der Stadt wie der dem Erdboden gleichgemachte multikulturelle District Six, aus dem die farbigen Bewohner deportiert wurden.

A Kapstadt Stellenbosch Wein0017

Natur inmitten der Stadt

Für alle, die Kapstadt von oben erkunden möchten, bietet eine Sonnenaufgangswanderung am Lion’s Head einen wahrlich atemberaubenden Einstieg in die Stadt. Ausgehend von Kloof Nek schlängelt sich der Weg über Hänge bis zum Gipfel auf 669 Metern über dem Meeresspiegel. Der Aufstieg dauert etwa zwei Stunden und belohnt bei jedem Schritt mit weiten Ausblicken auf den Tafelberg, Robben Island, Cliftons Strände und die glitzernde Stadtschale darunter. Zudem erwartet die SWAN-Reisenden ein „Wanderfrühstück“ in frischer Bergluft mit 360-Grad-Panoramablick.

A Kapstadt BouldersBeach 0020

Swan Hellenic – einst und heute

Mittlerweile ist das im Hafen schaukelnde, elegante Boutique-Expeditionsschiff SH DIANA von Swan Hellenic unser Hotel am Wasser. Es soll uns in den nächsten Tagen entlang Südwestafrikas einsamer und wilder Küsten nordwärts führen. Das maximal 192 Personen fassende Schiff ist für den expeditionellen Einsatz, also auch für die Arktis und Antarktis, gebaut. Mit dieselelektrischem Hybridantrieb und Batteriepaket gehört die SH Diana zu den umweltfreundlichsten Expischiffen. Weit weg von „schwimmenden Riesenhotels“ bietet sie ein sehr angenehmes Ambiente im skandinavischen Stil in den Kabinen, auf den Decks und in der schmucken Lounge. Dazu kommen eine feine Küche – und jede Menge Wissen bei Vorträgen und Landgängen. Wie wirbt doch der CEO von Swan Hellenic, Andrea Cito, treffend: „Wir können in Gebiete und Häfen fahren, die anderen nicht möglich sind. Unsere Passagiere sehen, was andere nicht sehen.“ Die Geschichte von SWAN verpflichtet allerdings zu dieser Philosophie. Bereits in den 1950er-Jahren – also lange vor dem Kreuzfahrtboom – war Swan Hellenic in Griechenland ein Pionier für exklusive Schiffsreisen zu den großen Kulturstätten, mit den besten Lektoren und anspruchsvollem Bordkomfort. Heute, über 70 Jahre später, möchte man die entlegensten Winkel der Erde mit der gleichen Leidenschaft und Neugier erkunden.

G SWAN Hellenic Schiff 0018

Saldanha Bay

Leinen los, die Fahrt in die Einsamkeit darf beginnen. Erster Stopp an Südafrikas Atlantikküste ist die Saldanha Bay. Es riecht hier nach Salz und Salbei, es ist eine Lagune der Natur. Zugvögel aus aller Welt machen hier Zwischenstation und Flamingos balancieren durch das Wasser. Auch die „Langsamen Fünf“ sind hier zu Hause. Die „Big Five“ kennt man von den klassischen Safaris, hier in Südwestafrika hat man die Welt der Tiersuperlative um die „Ugly Five“ und die „Slowly Five“ erweitert. Schildkröten, Wale, Sandhaie, Stachelschweine und Dünenmaulwürfe geben sich in den Gewässern ein Stelldichein. Und genauso langsam geht es dann bei einem Ausflug ins Landesinnere zu den San zu. Südafrikas Urbevölkerung hat hier ihre Rückzugsgebiete.

B Saldanha Bay Langebaan0002

Hafenstadt und Diamantenfieber

Das schmucke Lüderitz ist allein seiner Abgeschiedenheit wegen eine Reise wert. Es liegt fotogen auf einem Felshang. Das Städtchen war ein Hafenzentrum der deutschen Kolonie Südwestafrika und lässt sich bequem bei einem geführten Spaziergang kennenlernen. Hier und im nördlich gelegenen Swakopmund ist die deutsche Kolonialgeschichte allgegenwärtig. Erker, Giebel, Kuppeln, Türme und Wintergärten sind architektonische Zeugen von vorgestern, das Lüderitz Museum macht mit seinen Ausstellungen die Stadtgeschichte wieder lebendig. Das prächtige, 1909 erbaute Goerke-Haus und die evangelisch-lutherische Kirche sind die Muss-Fotostopps. Vor den Toren der Stadt wartet dann endlose Wüste – und die Geschichte der Diamanten von Kolmanskop.

D WalvisB Swakopmund 0004

Einige Kilometer landeinwärts von Lüderitz liegt Namibias bekannteste Geisterstadt. 1908 fand ein Eisenbahnarbeiter namens Zacharias Lewala hier einen funkelnden Stein im Sand. Ein Diamant! Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, Hunderte Glücksritter rückten an, das Diamantenfieber war perfekt. In den 1920er-Jahren lebten hier über tausend Menschen. Der schnelle Verfall war genauso vorprogrammiert. Der Rückgang der Diamantenverkäufe nach dem Ersten Weltkrieg sowie die Entdeckung ergiebigerer Vorkommen weiter südlich bei Oranjemund führten zum Niedergang Kolmanskops – verlassen und vergessen in der Wüste. Heute wandeln Besucher durch eine Geisterstadt. Die stattlichen Häuser wurden von Wind und Wetter zerfressen, zunehmend werden sie von den Sanddünen verschlungen. Es ist eine beeindruckende Kulisse, ein Traumspot für Fotofreaks.

C Lüderitz Kolmanskoop0006

Wale und Wüste

Ganz im Gegensatz dazu ist das nördlich gelegene Walvis Bay eine richtige Stadt mit einem Tiefseehafen, also perfekt für eine Anlandung der SH Diana. Das kalte Atlantikwasser ist die Heimat Tausender Flamingos, am Pelican Point werden Kap-Pelzrobben gesichtet – und draußen ziehen Wale und Delfine vorbei. Dementsprechend vielfältig ist das Safariprogramm zu Wasser. Von hier ruft das Abenteuer auch ins Landesinnere. Swan bietet Wüstentouren, Jeepsafaris oder Heißluftballonfahrten an. Wer immer schon ein Abendessen unter einem Sternenhimmel in der Wüste erleben möchte, kann dies hier tun. Kulturhistorisch ist eine Fahrt ins nahe gelegene Swakopmund wertvoll. Dort ist die deutsche Kolonie Südwestafrika architektonisch und kulinarisch auch hundert Jahre später noch allgegenwärtig. Mindestens genauso eindrücklich ist die geführte Tour durch die Mondesa Township. Die Auswirkungen der lange praktizierten Politik der Rassentrennung sind dort mehr als sichtbar. Man sieht neue Dimensionen von Armut, nachdenklich geht es zurück zum Schiff. Das ist nach den Ausflügen eine Oase der Ruhe und Geborgenheit, auch kulinarisch werden wir mehr als verwöhnt.

D WalvisBay 0003

Seetag und die Geisterinsel

Wir freuen uns wirklich auf einen Seetag an Bord, auf ein gemächliches Frühstück, eine Schwimmsession im Infinity Pool, ein kurzes Sonnenbad an Deck, den Gang in den Fitnessraum und in die Sauna, das Aufarbeiten des Erlebten – und die Vorbereitungen auf das Abenteuer Angola. In der Lounge auf Deck 7 lädt das Expeditionsteam zu informativen Vorträgen ein. Angola ist für alle ein großes Geheimnis – und wird angenehm überraschen. Der Stopp auf der verlassenen Ilha Baía dos Tigres (Tigerinsel) vor der Küste der angolanischen Provinz Namibe ist das erste Highlight. Ursprünglich eine Halbinsel, wurde ihre Landenge vom Meer durchbrochen. Die Bewohner waren vom Festland abgeschnitten – und verließen ihre Häuser. So wandelt das Expeditionsteam mit seinen Gästen auf einer wüstenhaften Geisterinsel, umgeben vom tiefblauen Atlantik.

G SWAN Hellenic Schiff 0022

Dünen bis ans Meer

Angola war bis 1975 eine portugiesische Kolonie und der Gang in die Unabhängigkeit endete in einem fast dreißigjährigen Bürgerkrieg. Das Land versank im Chaos und war bis vor Kurzem ein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte. Aber es ist reich an Bodenschätzen. Gold, Diamanten und Erdöl machen den Staat wohlhabend und schaffen gute Perspektiven für die Zukunft. Das Städtchen Namibe und seine Naturwunder ringsum sind jedenfalls einen Stopp der Diana wert. Koloniale Architektur, das alte Kino und portugiesische Kirchen erzählen die „Geschichte von gestern“. Die Leute sind freundlich, das Leben läuft sehr gemächlich ab. Und die Natur ist gewaltig, hier reicht die Wüste mit ihren Sandbergen bis ans Meer. Die Meinung beim Rekap und beim wirklich opulenten Dinner an Deck über das am Tag Erlebte ist eindeutig – hierher würden viele gerne wiederkommen!

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Skyline City

Angolas Hauptstadt ist ein würdiger Abschluss der Reise. Luanda hat eine überraschend moderne Innenstadt – gepaart mit kolonialem Erbe. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen Gustave Eiffels Eiffelpalast und die Festung São Miguel aus dem 16. Jahrhundert. Die historische Oberstadt, Cidade Alta, zeichnet sich durch rosa Kolonialgebäude, den Präsidentenpalast und Ministerhäuser aus. Um all die Eindrücke ein wenig sickern und einwirken zu lassen, ist Beachlife angesagt. Die Ilha do Cabo zeigt Luandas lebensfrohe Seite mit trendigen Strandrestaurants und Bars. Bei Sonne, einem angolanischen Cuca-Bier und einem Bad im hier gar nicht so kalten Atlantik kann das Abenteuer Südwestafrika würdig zu Ende gehen.

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Diese Reportage erschien in Ausgabe 12 des 1st Class Traveller. Das komplette Heft mit allen Reisen, Hotels und Geschichten erhalten Sie hier.

SH Diana – das Schiff für die Orte ohne Kreuzfahrtterminal

 

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